DIE ERGREIFEND WAHRE GESCHICHTE
VON MARCO RIMA

Mitte Sommer 1960 arbeiten zwei hoffnungsvolle Nachwuchsautoren intensiv an den ersten Drehbuchseiten meines Lebens.

Am 7. April 1961 werde ich, nach einer 36-stündigen „Performance“ meiner Produzentin, der Verwandtschaft im Kantonsspital Winterthur präsentiert. 
Mein Regisseur bzw. Co-Produzent ist sichtlich stolz und ich bei bester Gesundheit.

Just nach meiner Veröffentlichung kommt es für meine Produzenten knüppeldick. Während zwei Jahren überrasche ich die beiden jede Nacht mit meiner voluminösen Stimme und halte sie auch tagsüber mit meinem Bewegungsdrang auf Trab. Doch trotz der schwierigen Bedingungen ist es den beiden Autoren 1963 nochmals vergönnt, einen weiteren Hit – und auch als Beweis ihrer Kreativität - zu landen. Meine geliebte Schwester kommt zur Welt.

1968 werde ich eingeschult. Beim ersten Schulbesuch wird uns Kindern von der Lehrerin aufgetragen, uns kurz und knapp der Elternschaft vorzustellen. Zitat: "Ich heisse Marco Rima, bin 7 Jahre alt und von den Kleinsten der Grösste!“ Mit diesem Zitat ist der Klassenclown geboren.

Doch Klassenclown zu sein, hat nicht nur Vorteile.
Ich wiederhole – weil mich die Lehrer wahrscheinlich so lieb haben – nochmals die 6. Klasse. "Ehrenrunde". Danach geht alles Schlag auf Schlag! Die Worte eines Lehrers "ein Klassenclown hat schon immer einen guten Lehrer abgegeben“ motivieren mich, 1978 ins  katholische Lehrerseminar St. Michael einzutreten. Es ist ein reines Knabeninstitut. An Frauen soll es aber trotzdem nicht fehlen. In der näheren Umgebung befinden sich zwei weitere Seminare – Mädchenseminare. Man trifft sich alljährlich zu einem fröhlichen Beisammensein. Alle sind sie zusammen – nur ich kriege keine ab. Dafür bin ich der King im Plattenauflegen, Cola trinken, Chips essen und Sprüche klopfen.

Während des fünfjährigen Studiums – ohne Freundin – reift in mir der Entschluss, Kabarettist und Schauspieler zu werden.
In dieser Zeit lerne ich meinen Kabarettpartner Marcel Weber kennen, mit dem ich das „Cabaret Marcocello“ gründe. Zusätzlich ist es mir während der Studienzeit (1980) auch noch vergönnt, einen siebzehnwöchigen Militärdienst absolvieren zu dürfen. Einfach genial. Es gibt keinen besseren Ort, wo die Sinne eines zukünftigen Kabarettisten geschärft werden. Als Panzergrenadier führe ich während 17 Wochen dieses „Workshops“ Befehle wortwörtlich aus, veräpple Offiziere und wandere – es war nur eine Frage der Zeit - wegen Befehlsverweigerung für acht Tage in den Bau. Dort singe ich, das Gefängnis hat ein kleines Fenster zum Innenhof, jede Nacht die Melodie des Gefangenenchors von Verdi.
Singen ist untertrieben. Ich intoniere die Melodie à la Caruso. Die Wache, die Offiziere und mein Kommandant fordern mich verzweifelt, abwechslungsweise und in stündlichen Abständen in meiner Zelle besuchend, auf, meine Gesangseinlagen doch endlich einzustellen. Ich verstehe nur „Bahnhof“ und singe weiter. Und weil ich mich zu Unrecht in Ketten gelegt sehe, verweise ich die verdutzten Offiziere darauf hin, dass die Sklaven ihre Gefangenschaft nur durch ihre Gesänge erträglicher gestalten und aushalten konnten. Entnervt beschimpfen sich mich als Terrorist und üblen Nachtruhestörer.
Egal denke ich. Hauptsache die Armee macht mich, wie jeden jungen Schweizer, zu einem richtigen Mann.
(Kostproben über diesen kurzen vaterländischen Ausflug kann man übrigens auf der DVD „think positiv(e)“ live miterleben)

1983 werde ich – obwohl man mir mehrfach mit dem Ausschluss aus der Schule droht – doch noch zum Lehrer patentiert.
Im selben Jahr melde ich mich zur Aufnahmeprüfung an die Schauspielakademie in Zürich an.  
Ich scheitere jedoch schon kläglich beim Begabungstest, mit der Begründung, es würde mir an Humor fehlen!
Ich fasse den Entschluss, eine freie Stelle als Musik- und Schwimmlehrer anzunehmen und zu unterrichten. Nebenher spiele ich in Kleintheatern, vor dem katholischen Mütterverein oder in einem Bierzelt – wenn uns überhaupt die Chance geboten wird – ein bis zwei Mal im Monat Kabarett. Wir (Cabaret Marcocello) werden nicht wie geplant über Nacht reich, berühmt und erfolgreich. Nein, diese Nacht soll noch geschlagene sieben Jahre dauern. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, auch vor nur sechs Zuschauern aufzutreten und trotzdem Spass zu haben.
1993 trenne ich mich von meinem Bühnenpartner.

Mittlerweile bin ich 32 Jahre alt und beruflich geht es heftiger denn je weiter.
Auf das Comedy Musical „Keep Cool" folgt das Fernsehformat „Die Wochenshow", danach eine weitere multimediale Comedyshow „Hank Hoover", die Sitcom „Max und Lisa", Fernsehspiele, drei Kabarettprogramme und vier Kinofilme.

Jetzt bin ich Mitte vierzig und stelle mir die Frage: "Wie wird es wohl weitergehen?"

So! Und schwupps sind schon wieder 5 Jahre vergangen, und ich bin tatsächlich 50 und alt! Nee, ich bin gewachsen, gereift und einfach nur richtig alt geworden. Aber drauf geschissen! Ich mache weiter - und zwar mit "Humor Sapiens". Das bin nämlich ich! Und der ist lustig... aber verdammt alt! Naja! Diese Vita wird wohl in zehn Jahren wieder angepasst werden. Alt bedeutet hin und wieder ja auch vergesslich... äh... wo war ich gerade stehen geblieben. Egal! ich freue mich auf jeden von euch. Bis die Tage und alles Liebe. Marco